# Kaltakquise im Sommerloch: ein Teil deiner Absagen ist der Monat

Wenn die Zahlen einbrechen, wird zuerst am Skript gedreht, dann an der Liste, dann am Team. Der Kalender kommt selten vor – obwohl er die einzige Erklärung ist, die man nachschlagen kann.

## Kurz gesagt

Wenn die Zahlen einbrechen, wird zuerst am Skript gedreht, dann an der Liste,
dann am Team. Der Kalender kommt selten vor – obwohl er die einzige Erklärung
ist, die man nachschlagen kann.

Dabei beschreiben SDRs und Vertriebler denselben Effekt seit Jahren, in ganz
verschiedenen Märkten: **Feiertagswoche**, **Dezember**, **Sommerloch**,
**Hochsaison im Handwerk**. Immer geht es um Wochen, in denen dieselbe Liste, die
gleiche Nummer und dasselbe Skript plötzlich nichts mehr hergeben. Die kürzeste
Fassung davon, die ich online gefunden habe, stammt von einem Agenturinhaber mit
neun Jahren im Geschäft:

> "Some of your rejection is just the month."
> 
> – Kommentar in [r/highticket_sales](https://www.reddit.com/r/highticket_sales/comments/1vm0p11/ive_spent_4k_on_sdrs_and_closed_zero_clients_what/), August 2026

Zwei Dinge folgen daraus, und das zweite ist das wichtigere:

1. **Der Monat erklärt einen Teil deiner Absagen.** Nicht alle, aber genug, um
   eine Quartalsplanung zu kippen, wenn man ihn nicht mitrechnet.
1. **„Es ist der Monat" ist zugleich die bequemste Ausrede, die es gibt.** Sie
   ist nicht überprüfbar, solange man sie nicht überprüft – und der wichtigste
   Abschnitt dieses Artikels handelt davon, wie das geht.

## Der Monat, den niemand mitrechnet

Der Effekt zeigt sich fast immer in derselben Form: Man steckt mittendrin und
kann sich nicht erklären, was los ist.

In einer Woche um einen Feiertag telefoniere ich tagelang ins Leere. Und in
meinem Bekanntenkreis höre ich, wie Kollegen im Dezember 100 Wählversuche pro Tag
machen und niemanden ans Telefon bekommen. Zwei Hypothesen liegen dann nahe: ein
härterer Markt oder die falschen Zeiten. Der dritte Verdacht fällt fast immer
aus – der Monat selbst.

## Das Sommerloch in der Kaltakquise, von der anderen Seite

Auf der anderen Seite weiß ich aus meiner Arbeit mit und bei einem großen
Mittelständler, wie es dort im Sommer zugeht: Ich sitze manchmal komplett alleine
im Büro – weil jeder im Urlaub ist. Da wundert es mich auch nicht, wenn ich meine
potentiellen Kunden nicht erreiche.

Und wenn die einzelnen Ansprechpartner dann doch da sind, haben sie so viele
Themen parallel auf dem Schreibtisch, dass die Chance gering ist, einen Anruf von
einer unbekannten Nummer anzunehmen. Es ist also nicht nur die Abwesenheit, die
das Sommerloch macht, sondern auch die Vertretung.

## Hochsaison heißt unerreichbar

Am konkretesten wird es dort, wo jemand Branchen und Monate zusammen nennt. Ein
Agenturinhaber antwortet jemandem, der tausende Dollar für SDRs ausgegeben und
keinen Abschluss gemacht hat:

> "You are calling roofers, HVAC and painters in August. That is their peak. They are on roofs and in attics, they are booked out, and they buy marketing when the phone goes quiet. For the trades that is roughly March to April and October to November."
> 
> – Kommentar in [r/highticket_sales](https://www.reddit.com/r/highticket_sales/comments/1vm0p11/ive_spent_4k_on_sdrs_and_closed_zero_clients_what/), August 2026

Die Monatsangaben gelten zwar für amerikanische Märkte, lassen sich jedoch
ähnlich auf den deutschen Markt übertragen: **Der Arbeitsrhythmus einer Branche**
**entscheidet, wann sie erreichbar ist** – im Sommerloch der Kaltakquise genauso wie
an jedem anderen Tag im Jahr. Wer auf dem Dach steht, geht nicht ans Telefon. Wer
ausgebucht ist, kauft kein Marketing.

Daraus folgt etwas Unangenehmes. Die Hochsaison einer Branche ist zugleich die
Zeit, in der ihr Budget am größten und ihre Erreichbarkeit am kleinsten ist. Wer
im August anruft, ruft nicht deshalb zur falschen Zeit an, weil kein Bedarf da
wäre. Er ruft an, wenn niemand Zeit hat, über Bedarf zu sprechen.

## Der Monat ist nicht die ganze Erklärung

Hier gehört die Gegenrede hin, und sie kommt vom selben Agenturinhaber ein paar
Absätze weiter: Höchstens drei bis fünf Prozent eines Marktes seien zu einem
beliebigen Zeitpunkt wirklich so weit, eine Entscheidung zu treffen. Die anderen
seien deshalb nicht wertlos – nur eben nicht heute.

**Deshalb ist der Kalender eine Hypothese und keine Erklärung.** Wer eine
schlechte Woche mit dem Monat erklärt, hat sie nicht erklärt, sondern nur
benannt.

## Wie du prüfst, ob es bei dir der Monat war

Fünf Schritte, um das Sommerloch in deiner Kaltakquise von einem Listen- oder
Gesprächsproblem zu trennen. Mehr als die Anrufhistorie, die dein CRM ohnehin
führt, brauchst du dafür nicht:

1. **Vergleiche denselben Monat im Vorjahr, nicht den Vormonat.** Ein
   Saisoneffekt wiederholt sich. Ein Einbruch, den es im Vorjahr im selben Monat
   nicht gab, ist keiner.
1. **Trenne Erreichbarkeit von Ergebnis.** Sind es weniger Gespräche, oder gleich
   viele Gespräche mit schlechterem Ausgang? Nur das Erste ist ein
   Kalendereffekt. Das Zweite ist ein Gesprächsproblem – und wird von einer
   Saisonerklärung zugedeckt.
1. **Schau auf die Zielbranche, nicht auf den Gesamtmonat.** Der Effekt ist
   branchenspezifisch. Ein Durchschnitt über alle Branchen deiner Liste hebt ihn
   auf.
1. **Rechne die Fallzahl mit.** 100 Wählversuche in einer Woche tragen keine
   Aussage über einen Monatseffekt. Wenn du keine Zahl nennen kannst, ab der du
   deine Hypothese verwerfen würdest, hast du keine Hypothese.
1. **Notiere Feiertage und Ferien deiner Zielmärkte.** Bei deutschen Kontakten
   sind das je nach Bundesland unterschiedliche Wochen – der naheliegendste
   Kalendereffekt überhaupt und der am seltensten dokumentierte.

Am Ende hast du keinen Beweis, aber eine Trennung: Kalender, Liste, Gespräch.
Drei Ursachen, drei völlig verschiedene Maßnahmen.

## Was Saison für die Planung heißt

Zwei Konsequenzen:

- **Saison verschiebt Aufwand, sie streicht ihn nicht.** Wenn eine Zielbranche im
  August nicht erreichbar ist, ist der August die Zeit für Listenaufbau,
  Recherche und die Zielgruppen, deren Rhythmus anders läuft.
- **Plane Zielbranchen mit gegenläufigen Rhythmen nebeneinander.** Wer nur ein
  Gewerk bearbeitet, kauft dessen Saison mit ein.

## Wo Call'em ansetzt – und wo nicht

Deutlich gesagt: **Gegen Saison hilft Call'em nicht.** Wer im Urlaub ist, ist im
Urlaub, und ein Werkzeug, das daran etwas ändern würde, wäre kein gutes Werkzeug.

Was Call'em tut, liegt eine Ebene darunter. Es liest zu den Kontakten in deinem
CRM den Microsoft-Teams-Status aus und zeigt ihn dort an, wo die Kontakte ohnehin
liegen. Ist eine Abwesenheitsnotiz gesetzt, zeigt Call'em sie mit an – dieselbe,
die du bekämst, wenn du eine Mail schriebst. Nur ohne die Mail. Und wer eine
gesetzt hat, ist nicht schwer erreichbar, sondern nicht da. Damit nutzt du deine
Zeit viel effizienter, um die anwesenden Ansprechpartner für dich zu gewinnen.

Warum es auch für die Tageszeit keine brauchbare Faustregel gibt, steht übrigens
im Beitrag über [die beste Anrufzeit](/de/blog/beste-uhrzeit-kaltakquise).

## Häufige Fragen

### Gibt es in der Kaltakquise wirklich ein Sommerloch?

Erfahrene Vertriebler beschreiben Kalendereffekte übereinstimmend –
Feiertagswoche, Dezember, Sommermonate, Hochsaison im Handwerk. Keiner von ihnen
beziffert den Effekt. Belegt ist damit, dass ihn Leute in ganz verschiedenen
Märkten beobachten; nicht belegt ist, wie groß er ist. Wer dazu eine Prozentzahl
liest, sollte fragen, woraus sie gerechnet wurde.

### Was ist die beste Jahreszeit für Neukundengewinnung?

Das hängt am Rhythmus der Zielbranche, nicht am Kalender allgemein. Gesucht wird
die Zeit, in der eine Branche Kapazität hat – und nicht die, in der sie
ausgebucht ist. Je nach Branche kann man Annahmen treffen, dass September bis
November sowie Februar bis Mai gut funktionieren. Je nach Budgetplanung kann es
Sinn machen, sich an der Geschäftsjahresplanung der Zielunternehmen zu
orientieren.

### Soll ich im August und im Dezember gar nicht anrufen?

Nein. Es sind die Monate, in denen sich der Aufwand verschiebt – auf
Listenaufbau, auf Recherche und auf Zielgruppen mit anderem Rhythmus. Wer im
Dezember mit dem Ergebnis eines Normalmonats plant, plant falsch. Wer den Monat
streicht, verliert die Kontakte, die gerade Zeit haben.

### Woran erkenne ich, dass es nicht der Monat war?

Am Verhältnis von Gesprächen zu Ergebnissen. Erreichst du gleich viele Menschen
wie sonst, kommst aber nicht weiter, ist es kein Kalenderproblem – dann liegt es
am Gespräch oder an der Liste. Der Kalendereffekt zeigt sich darin, dass niemand
abnimmt, nicht darin, dass alle nein sagen.

### Lohnt sich ein Werkzeug gegen das Sommerloch?

Gegen die Saison selbst nicht. Bevor du Geld für höhere Connect Rates ausgibst,
prüfe erst, welchen Anteil der Kalender an deinem Rückgang hat – sonst kaufst du
eine Lösung für ein Problem, das im nächsten Monat von selbst verschwindet.

### Zählt der Wochentag genauso wie der Monat?

Er wird jedenfalls häufiger diskutiert und ist schlechter belegt. Zu festen Tages-
und Uhrzeitfenstern steht die Auswertung im Text über
[die beste Anrufzeit](/de/blog/beste-uhrzeit-kaltakquise) – kurz gefasst: Fenster
gibt es pro Branche und Rolle, aber sie verändern sich stetig.
